Philippe No.30
Philippe 2010 Verona
Leorica19
Philippe 102k
Abmessungen PhilippeNo30
Philippe No.30
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Philippe No.30 im Album Velo de course "Philippe" (Blois/F) No.30

PHILIPPE No.30 (S/N auf den Ausfallenden eingeprägt)
Der Rahmen stammt sehr wahrscheinlich aus der Frühzeit des noch heute tätigen Radbauers aus Blois im Department Loire, aus Reynolds 531 Rohr gefertigt (Aufkleber aus der Zeit bis 1977). Ein Steuerkopfschild war wohl nie vorhanden.
Ich habe den Rahmen im Nov. 08 von einem französischen Händler gekauft (ebay). Es gab keine Montagespuren, der Rahmen ist wahrscheinlich nie montiert gewesen - allerdings einige hässliche Kratzer von unsachgemäßer Lagerung, die ich mit nicht perfekt passender Farbe ausgebessert habe weil ein entsprechender Metalliclack nicht aufzutreiben war.
Der Rahmen ist, selbst für Reynolds 531, sehr leicht 1730g (Gabel 750g) bei 58cm Höhe. Anlötösen für Schalthebel, zugführung und -anschlag gibt's keine. Ich dachte eigentlich in dieser Gewichtsklasse sei mindestens 531SL nötig und werde den Verdacht nicht los dass der Aufkleber ein bisschen tiefstapelt wie auch der ganze Rest. Die Ausfallenden sind ohne Herstellergravur, leicht aber stabil, und haben Schutzblechösen, wie zu der Zeit auch bei Vollbutrennrädern nicht unüblich. Ein echter Allrounder also!
Passend dazu habe ich ein T.A. Specialites Cyclotourist Kettenradsatz montiert, mit brachialer 54/40 Kombination. Man bekommt ja französische Schaltkränze kaum mit 13er sondern nur mit 14er als kleinstem Kranz; da ich die gewöhnt bin zu fahren muss es vorne ein wenig größer sein. Der Kranz ist ein schön leichter Sachs-Maillard, mit nicht ganz zuverlässigem Freilauf. Atom-77 ist hier ansonsten mein Favorit. Natürlich ist die hintere Bauweite nur 120, für 5-fach. Ich werde den Rahmen auch nicht aufweiten.
Das Schaltauge war ohne Nase, also für Simplex Schaltungen. Ich fand aber dass eine Huret Titan Schaltung zur Auslegung des Rads besser passt, die war seinerzeit allerfeinstes französisches hightech, also musste ich eine Nase anschweissen (passender CrMo-Stahl, hatte meine Mühe damit).
Hier steht das Rad auf Drahtreifenfelgen: für 85kg Männer passend dicke, aber trotzdem unbequeme, hoffnungslos überalterte Wolber 700x25C -- echt fransösiesch! Ich hab noch ein 2. Radsatz auch mit Normandy-Hochflanschnaben, für Schlauchreifen. Mit diesem hier fahre ich aber hauptsächlich. Es sind Normandy Competition mit roter Schleife, damals die feinsten französischen Naben. Die beiden Radsätze gab's gebraucht recht günstig.
Dann habe ich mich für Mafac Competition Bremsen, mit zum Rad kontrastierender Farbe entschieden, wo ich anfangs nicht sicher war ob das optisch harmoniert. Je länger das Rad aber im Winter zur Komplettierung in meinem Schlafzimmer stand desto besser gefielen sie mir. Reifenflanken, Sattel, Lenkerband und Bremsgriffe sollten farblich aber zusammen passen. Bremszüge mussten gallisch-blau sein (mit modernen Kunststoffinnenhüllen).
Die gibt's nun nicht mehr "Made in France". Damit bin ich von der Grundüberlegung einen "rein französischen" Aufbau zu machen zum ersten Mal abgewichen. Hingegen liess ich mich etwas kosten eine neue goldne Sedis Kette zu ergattern. Die Antriebskette ist schliesslich ein zentrales Element für die Technik jeden Rades. Ausserdem waren die hüllenlosen Sedis Ketten seinerzeit schlicht revolutionär - wer 1980 etwas anderes montierte dem war nicht zu helfen - und bestimmen bis heute die Bauweise für Fahrradketten, auch wenn sie heute aus Taiwan oder China, schmäler, billiger und weniger haltbar sind.
Die Pedale sind spanische Iberica (größer und stabiler aber auch schwerer als Lyotard).
Der vordere Umwerfer ist ein Campagnolo aus der wenig geachteten (und preiswerten) Nuove Gran Sport Serie: Schöner und leichter geht nicht in Sachen Umwerfern, funktionaler auch nicht. Die Franzosen haben da nie was vergleichbar hübsches hinbekommen. Schaltzughülle und Anschlag sind ebenfalls Campagnolo damit er nicht so allein ist. Die Zugführung überm Tretlager (wie es sich für ein ordentliches Rad gehört) ist wiederum Huret: das Teil wurde wohl hauptsächlich zur eher seltenen Jubilee Schaltung verkauft, die mir aber für das Rad ein wenig zu sissyhaft schien. Die Titan-Success wiegt auch bloss 30g mehr. Schalthebel ist dann doch ein Simplex weil mir die Hebel von Huret da weniger gefallen. Die schwatten Plaste-Hebel fand ich dann irgendwie doch passender als die güldnen, auch wenn sie weniger edel aussehen. Dafür sind sie aber griffiger, leichter und vielleicht sogar stylisher.
Ein langer schlanker Belleri-Vorbau mit gallischem Wimpel und breiter Randonneurlenker von Philippe waren nicht ganz billig mussten aber sein. Es gab nämlich auch Franzosen die leichte, hübsche Lenkerhalter bauen konnten.
Tretlager oder wie einige vorziehen zu sagen (wohl weil nicht so gewalttätig klingend) Innenlager ist ein zeitgerechtes aber für heutige Masstäbe bleischweres Stronglight Competition, Steuerlager ein stählerner Lightrace mit Zackenscheibe falls es unterwegs etwas zum nachjustieren gibt, wo man ja selten zwei Sechsunddreissiger oder eine Wasserpumpenzange dabei hat.
Der schicke Sattel ist ein alter, nie verbauter Witkopp. Ein Ideale in hellbraun hätte mich wohl soviel gekostet wie der ganze Rest vom Rad, wenn nicht mehr. Und sähe weder besser aus, noch kann er sich besser anfühlen beim Fahren.
Wegen der vielen nicht so superleichten Komponenten im Aufbau (insbesondere Reifen, Tretlager und Sattel) wiegt das fahrfertige Rad (mit Pedalen und Riemen allerdings!) exakt 10.0kg. Es ist ja lachhaft an dem Rad noch was zu ändern bloss um eine Neun vor dem Komma zu haben. Das war für ein stabiles Allroundrennrad der späten 70'er Jahre, wo man noch mehr Wert auf alltagstaugliche Technik legte und wahrscheinlich auch mehr KM fuhr, ohnehin schon ein sehr guter Wert.
Das PHILIPPE ist kein Ausstellungsstück und Staubsammler sondern ich fahre es auch bei schönem Wetter. Der Rahmen ist sehr stabil und das Fahrverhalten sehr angenehm. Ich habe mich jetzt gut daran gewöhnt und Vertrauen entwickelt.
UPDATE:
Im Oktober 2009 damit die l'eroica gefahren (135km) mit deutschen Continental (700x28C) Tourenreifen. Im August 2010 nach Blois (920km, 6 Tage). Und im Herbst 2010 wieder die l'eroica (diesmal 195 km). Das Rad fährt sich wunderbar, auch auf schlechten Straßen oder mit 10kg Gepäck....
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#1 Gruni (26.04.2009, 15:36)
Mir gefällts 5 Sterne
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#2 funky sportsman (26.04.2009, 15:40)
kommt cool mit dem braunen leder

auch 5
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#3 taunide (27.04.2009, 14:24)
Danke. Ich weiss, manche werden den Sattel monieren (Deutscher Wittkop an einem französischen Rad) aber ich steh nun mal auf braunes Leder, Brooks fährt fast jeder und ist genausowenig französisch, und ein alter Ideale in hellbraun kostet soviel wie der Rest vom Rad zusammen.
Deswegen auch noch ein bisschen was britisches (Lenkerband) und italienisches (vorderer Umwerfer) am Rad...
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#4 Vincent Kluwe-Yorck (07.06.2009, 13:15)
Also ich würde sagen: ein gesamteuropäischer Superleckerbissen. Und politisch ganz im Zuge der Zeit. 10 güldene Sterne!

P.S. Ehrensalut für den Wittkopp. Was könnte passender sein!
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#5 taunide (15.06.2009, 08:40)
Danke Vincent
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#6 smunolo (02.09.2009, 13:53)
Schick, schick , schick,

ein echter Europäer, das gefällt...

EU-weite Grüße

Martin
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#7 concor (03.01.2010, 16:43)
Ja, das Rad ist wirklich große Klasse und nicht langweilig!
Vorbildliche Beschreibung vom Aufbau. Danke für die spannenden Infos!
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#8 Flema (15.05.2012, 13:26)
WUNDERSCHÖN !!! :love: Mitch

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taunide
26.04.2009, 15:14
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7
Velo de course "Philippe" (Blois/F) No.30
Casio QV-5700
1/280 s ƒ/2.8 15.12 mm

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